Kinderarmut und Bildungschancen

Im Rahmen des JuBi-Jubiläums am 23.07.2011 fand ein Kurzworkshop zum Thema "Kinderarmut und Bildungschancen" mit 17 Teilnehmenden statt.

Rainer Bovermann, Mitglied des Landtags NRW, gab zunächst einen Input zum Thema. Basierend auf der Sozialberichterstattung des Landes NRW sagte er, dass 776.000 Kinder und Jugendliche in einem einkommensarmen Haushalt leben, das ist fast jedes vierte Kind unter 18 Jahren. Die Faktoren für Armut sind

Im Ennepe-Ruhr-Kreis beträgt die allgemeine Kinderarmutsquote 15,4 %, damit ist jede vierte arme Person ein Kind unter 15 Jahren (23 %, absolut 6.733). Die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche hängen stark von der sozialen Herkunft ab.

Kinder aus sozial benachteiligten Familien und/oder Kinder mit Migrationshintergrund erlangen häufig nur ein niedriges schulisches Bildungsniveau. Diese Kinder erhalten bei gleicher Leistung seltener eine Gymnasialempfehlung als Kinder aus Familien mit höherem sozialen Status.

Arme Kinder sind häufig auch in ihrer gesundheitlichen Entwicklung beeinträchtigt, z. B. durch Auffälligkeiten bei schulrelevanten Grundfähigkeiten oder durch (extremes) Übergewicht durch falsche Ernährung.

Nach diesem Input wurden Lösungsansätze diskutiert. Man war sich einig, dass die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland immer weiter auseinanderklafft und eine Ursache im Lohngefüge liegt. Hans-Georg Harms, ehemaliger ver.di-Geschäftsführer im Ennepe-Ruhr-Kreis wies in diesem Zusammenhang auf die aktuelle Debatte um eine Mindestlohngestaltung hin.

Christel Humme, Bundestagsabgeordnete, Sprecherin der SPD-Arbeitsgruppe "Gleichstellungspolitik" und stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sprach die präventive Sozialpolitik an. Die Folgekosten von Defiziten in der Familien- und Bildungspolitik sind für die öffentlichen Haushalte erheblich teurer als rechtzeitige Investitionen in die soziale Infrastruktur und Bildungslandschaft.

Beate Schiffer, die Hattinger Dezernentin für Kultur, Jugend und Soziales, plädierte für mehr frühe Hilfen in der Kinder-, Jugend- und Familienpolitik.

Brigitte Schneider, Fachbereichsleiterin von "Arbeit und Leben" in Gelsenkirchen wies auf die Bedeutung des Übergangs von Schule und Beruf hin. In Deutschland herrscht Fachkräftemangel, aber in Gelsenkirchen beträgt die Jugendarbeitslosigkeit 25 % - hier liegt ein Missverhältnis vor. Das komplexe Übergangssystem in den Beruf müsse transparenter gestaltet werden, damit die Unterstützungsangebote effizienter an den Bedarfen der Jugendlichen und der Gesellschaft ausgerichtet werden können.

Unterschiedliche Meinungen gab es bei der Forderung nach Erhöhung des Kindergeldes, welches Hartz-IV-Empfängern nicht zugute käme, und zum Bildungspaket der Bundesregierung, das de facto nur einem Teil der begünstigten Familien zur Verfügung stehen würde. In vielen Teilen Deutschlands fehlen passgenaue Angebote an Nachhilfelehrern und/oder entsprechender Institutionen für Kultur, Sport etc.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass das Thema "Kinderarmut" so lange in der Öffentlichkeit diskutiert werden müsse, bis positive Veränderungen sicht- und greifbar werden. Kinderarmut in einem reichen Land wie Deutschland darf es nicht geben, wenn Kinder die Zukunft unseres Landes, unserer Erde sind. Praktikable Lösungsansätze müssen thematisiert und kontrovers diskutiert werden, damit wirkliche Initiativen und Hilfen für die Bildung, Erziehung und Elternunterstützung geschaffen werden und alle Kinder bessere Chancen und Möglichkeiten für ihr Leben bekommen.

Ulla Rothe, Moderatorin des Workshops und Bildungsreferentin im Freizeitwerk Welper